Der Wohnungsbau in Deutschland kommt weiterhin nicht ausreichend voran. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Damit sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2012. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum hoch, insbesondere in den wirtschaftlich starken Ballungsräumen und Großstädten.
Um die rückläufige Bautätigkeit zu bremsen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, hat die Bundesregierung im Herbst den sogenannten „Bau-Turbo“ auf den Weg gebracht. Die Maßnahmen sollen insbesondere dazu beitragen, neue Wohnungsbauprojekte schneller zu genehmigen und vorhandene Potenziale für zusätzlichen Wohnraum besser zu nutzen.
Kurzfristig dürfte sich die Lage allerdings kaum verbessern. Nach einer aktuellen Prognose des ifo Instituts werden 2026 voraussichtlich nur rund 185.000 Wohnungen fertiggestellt. Damit würde die Zahl der Fertigstellungen zunächst weiter sinken und deutlich unter dem bereits niedrigen Niveau des Vorjahres liegen.
Ludwig Dorffmeister, ifo-Branchenexperte für die Bauwirtschaft, bewertet die Aussichten entsprechend zurückhaltend: „Die Aussichten für den Wohnungsbau in Deutschland hatten sich bis zum Februar zwar etwas aufgehellt. Der Irankrieg und die anziehende Bauinflation dürften den Projektentwicklern und Häuslebauern das Leben aber wieder erschweren.“
Für die Folgejahre erwarten die ifo-Forscher allerdings eine allmähliche Erholung. Für 2027 rechnen sie mit rund 195.000 fertiggestellten Wohnungen. 2028 könnte die Zahl auf etwa 210.000 steigen. Damit würde sich die Bautätigkeit zwar wieder verbessern, das Niveau früherer Jahre und der langfristige Bedarf wären jedoch weiterhin nicht erreicht.
Der zusätzliche Wohnraum wird dringend benötigt. Nach aktuellen Schätzungen fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen. Besonders angespannt ist die Situation in den Großstädten und Ballungsräumen, wo eine hohe Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft.
Die Entwicklung verdeutlicht damit das grundlegende Problem des deutschen Wohnungsmarktes: Selbst wenn die Zahl der Baufertigstellungen in den kommenden Jahren wieder steigt, dürfte es noch längere Zeit dauern, bis die bestehende Lücke zwischen Wohnungsangebot und Wohnraumbedarf spürbar kleiner wird.


